Die Sache mit Phine und Mathis geht immer noch weiter

Die Sache mit Phine und Mathis geht immer noch weiter

Da stand Phine also. In der Wohnung von Mathis. In der Wohnung von dem Mann den sie liebte, der sein Leben aber mit einer anderen teilte. Seiner Ehefrau. In genau dieser Wohnung. Die Realität schlug auf Phine nieder wie ein Hammerschlag. Auf der Anrichte im Flur stand das Hochzeitsfoto. In einem vergoldeten Rahmen und darüber der Schriftzug „pour toujours Camille et Mathis“ und das Hochzeitsdatum. Etwas kitschig, fand Phine. Camille also. Sie war hübsch. Fröhlich und glücklich lächelte sie in die Kamera, nichtsahnend wie die Sache enden würde. „Mein Gott,“ dachte Phine: „Was zur Hölle treibe ich hier eigentlich?“ Mit einem Mal waren die ganzen Illusionen zerplatzt! Die schöne Scheinwelt in die sie und Mathis sich geflüchtet und Pärchen gespielt hatten löste sich einfach in nichts auf. Ihr wurde stärker als je zuvor bewusst, dass er sein Leben mit einer anderen teilte, mit seiner Frau. Mit seiner Frau der er einst versprochen hatte sie ewig zu lieben, in guten wie in schlechten Zeiten. Und jetzt stand Phine hier wie ein unerwünschter Eindringling der alles kaputt zu machen versuchte!

Mathis nahm Phines Stimmungsschwankungen wahr. Er ging zu dem Bild und kippte es um.

„Lass dich nicht verunsichern! Es tut mir leid, dass du es gesehen hast. Das Ganze ist Vergangenheit Phine! Es ist nur noch ein schöner Schein! Zwischen dem Foto und jetzt ist viel passiert. Ich habe die kennengelernt! Camille ist meine Vergangenheit, du bist meine Zukunft!“

Seine Worte beruhigten Phine. Während sie Schuhe und Jacke ablegte, wuselte er durch die Wohnung um scheinbar weitere Indizien seiner Ehe zu beseitigen. Dann zog er sie auf die Couch im Wohnzimmer und hielt sie liebevoll im Arm.

„Lass uns einfach etwas fernsehen und nicht weiter darüber nachdenken. Ich will die letzten paar Stunden mit dir genießen!“

Die beiden hatten in den Nächten zuvor nicht viel geschlafen – wen wundert’s. Also döste Phine mit dem Kopf auf Mathis Brust bei fernsehen ein. Als sie ein paar Stunden später aufwachte, hatte sie noch genau eine Stunde Zeit um ihren Flieger zu erwischen.

„Warum hast du mich nicht geweckt? Ich verpasse doch meinen Flug!“

„Es war so schön mit dir… Du sahst so friedlich aus. Weißt du… wie wäre es, wenn du den Flieger nicht nimmst? Wie wäre es, wenn ich die nächsten 3 Tage krankmache und du noch hier bei mir bleibst? Ich zahle dir dann den neuen Flug.“

Phine überlegte. Und die Uni? Na gut, 3 Tage konnte sie ruhig mal fehlen… Aber hier in der Wohnung von Mathis und seiner Frau? Ginge das nicht doch einen Schritt zu weit? Allerdings schlief sich mit ihm, die Frage was zu weit ging und was nicht stellte sich eigentlich schon lange nicht mehr…

„Wir haben ein Gästezimmer,“ fügte Mathis hinzu als er Phines nachdenklichen Blick auffing.

Ok. Also würde immerhin nicht das eheliche Gemach besudelt werden. Und sie könnte Mathis noch 3 weitere Tage sehen. Wer weiß, wann sie das nächste Mal die Möglichkeit dazu hätte…

„In Ordnung. Ich bleibe!“

Also verbrachte Phine 3 weitere Tage mit Mathis. Es fühlte sich falsch und richtig zugleich an. Die beiden genossen die Nähe zueinander, machten Ausflüge, kochten abends gemeinsam, sahen sich auf der Couch Filme an, ganz so als seien sie ein vollkommen normales Vorstadtpärchen.

Natürlich gibt es immer eine Kehrseite der Medaille, wenn man sich mit einem verheirateten Mann einlässt. Camille war trotzdem immer irgendwie präsent. Verließen sie das Haus, mussten die 2 darauf achten, dass sie nicht versehentlich den Nachbarn in die Arme liefen. Gingen sie einkaufen, verhielten sie sich nicht wie ein Pärchen, sondern eher wie Bruder und Schwester, für den Fall, sie könnten Bekannte von Mathis treffen. Abends telefonierte Mathis mit Camille, nachmittags kam Post für Camille und im Bad lagen in der Dusche die langen braunen Haare von Camille.

„Dieser Zustand ist doch nicht von Dauer,“ beschwichtigte Mathis Phine: „Ich werde es ihr sagen und dann wird sie bald aus meinem Leben verschwunden sein.“

„Aber wann?“

„Bald. Wie gesagt, sie macht gerade viel durch… Sie muss sich erstmal wieder sortieren…“

„Aber was, wenn sie sich nie wieder sortiert? Wie lange soll das so weitergehen?“

„Sie wird sich wieder fangen!“

„Aber was ist denn, wenn nicht?“

„Phine bitte! Sie wird es erfahren und dann können wir richtig zusammen sein! Aber noch nicht jetzt! Wir müssen warten bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Hab Geduld!“

Geduld gehört, allerdings, nicht unbedingt zu Phines Stärken. Je mehr Zeit sie mit Mathis verbrachte und je enger das Verhältnis zwischen den beiden wurde, desto sehnlicher wünschte sie sich, er würde doch endlich seiner Frau alles gestehen, sich scheiden lassen und sich zu ihr bekennen. Dann würde sie ihr Studium beenden und zu ihm nach Paris ziehen und dann wäre das „und sie lebten glücklich bis an ihr Lebens Ende“ schon fast zum Greifen nahe. Aber momentan? Momentan war es noch in weiter Ferne und das nervte Phine gewaltig!

Nach 3 weiteren Tagen verliebten Rumgeturtels ging es für Phine wieder zurück.

„Ich liebe dich Phine! Wir sehen uns bald,“ waren seine Abschiedsworte.

Ein paar Tage später kam am Freitagabends eine SMS von Mathis: „Camille hat es rausgefunden! Sie hat deine Nachrichten gelesen! Sie ist völlig ausgerastet und hat mich rausgeschmissen. Ich bin jetzt im Hotel und muss erstmal in Ruhe nachdenken. Ich melde mich die Tage!“

Phine war baff. „Ich muss erstmal in Ruhe nachdenken“? „Ich melde mich die Tage“? War das jetzt gut, dass sie es herausgefunden hatte oder schlecht? Phine wusste es nicht. Aber sie war verunsichert. Ein mulmiges Gefühl machte sich breit. Ein unschönes Gefühl.

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Die Sache mit Phine und Mathis geht noch weiter

Die Sache mit Phine und Mathis geht noch weiter

Wenn man also mit einem Mann den besten Sex seines bisherigen Lebens hatte, will man das, in der Regel, nochmal erleben. Außerdem mochte Phine Mathis und Mathis mochte Phine. Das Ganze blieb also keine einmalige Sache, sondern wurde mit der Zeit zu einer waschechten Affäre. Die Praktikantin hatte eine Affäre mit dem verheirateten Manager – was für ein Klischee! Die gemeinsamen Mittagessen häuften sich also und nach der Arbeit kam es nicht selten vor, dass Mathis noch auf ein Schäferstündchen mit zu Phine kam. Über Nacht blieb er allerdings selten, immerhin hatte er noch diese Ehefrau die sonst vielleicht Verdacht geschöpft hätte, wenn sie es nicht sowieso schon tat.

„Also ich weiß nicht Phine“ meldete ich Bedenken bei einem unserer wöchentlichen Telefonate an: „,dass Ganze kommt mir einfach nicht richtig vor! Was ist denn nun mit seiner Frau? Wann lassen sie sich denn scheiden und sind sie überhaupt offiziell getrennt? Dann sollte das mit euch doch eigentlich kein Problem sein oder?“

„Ach naja es ist kompliziert… Sie ist wohl psychisch sehr labil und würde es nicht verkraften… Er sagt ihr immer wieder, dass er die Scheidung will aber sie will es nicht einsehen! Sie will eine Paartherapie machen aber er hält das für Unfug. Das Ganze läuft ja schon seit Monaten nicht mehr! Und er hat gesagt, dass er es bereut sie überhaupt geheiratet zu haben. Seine Familie hat da wohl ziemlich Druck gemacht…“

„Ja aber es kann wohl kaum ewig so weitergehen oder wie stellst du dir das vor?“

„Ach mal sehen… Irgendwann wird sie ja einsehen, dass diese Ehe einfach nur kaputt ist, sowas braucht einfach Zeit…“

Das Ganze lief also einige Monate so. Phine ließ sich, so wie ich das sehe, von Mathis hinhalten und spielte brav die Zweitfrau während er sich unverbindlich mit ihr vergnügte. Aber bitte, jedem das Seine. Irgendwann kam aber natürlich der Tag, an dem Phine ihre Koffer packen musste, da das Praktikum zu Ende war und sie zurück in ihr altes Leben musste. Phine hatte das Gespräch über die bevorstehende Trennung lange genug hinausgezögert aber auch ihr war klar, dass sie es anspreche musste.

„Brechen wir das dann hier einfach ab Mathis? Wie soll es denn weitergehen?“

„Wir brechen es nicht ab, es sei denn du möchtest das… Ich möchte es nicht! Ich will dich nicht verlieren! Wir finden einen Weg, ich werde dich besuchen, du wirst mich besuchen und vielleicht kannst du nach deinem Studium ganz nach Paris ziehen… Ich will nicht, dass es vorbei ist Phine! Ich liebe dich!“

Wow! Da schwebte Phine natürlich auf Wolke 7! Liebe findet immer einen Weg!! Na bitte.

Am tag ihrer Abreise brachte Mathis sie zum Flughafen. Er weinte, sie weinte, vielleicht waren ja tatsächlich echte Gefühle im Spiel… Zum Abschied schenkte er ihr ein Buch mit seinen Lieblingsgedichten.

„Sei nicht traurig, wir sehen uns bald wieder! Ich verspreche es dir!“

Und so stieg sie in den Flieger das Buch fest umklammert, las die Widmung die er geschrieben hatte dutzende Male und heulte Rotz und Wasser.

In den folgenden Wochen schrieben die beiden sich täglich. In der Mittagspause telefonierten sie du abends wurde geskypet. Ich muss zugeben, das Ganze überraschte mich schon etwas… Etwa 4 Wochen nach Phines Rückkehr kam sie freudestrahlend abends bei mir vorbei.

„Er kommt her!“

„Wer kommt wohin?“

„Na Mathis du Dummerchen! Er kommt mich besuchen! Nächstes Wochenende!“

„Im Ernst? Oha. Und seine Frau?“

„Na die kommt natürlich nicht mit! Nein ernsthaft er sagt ihr, er sei geschäftlich unterwegs.“

Natürlich sagt er das. Was sonst.

Mathis kam also tatsächlich zu Besuch. Donnerstagabend holte Phine ihn vom Flughafen ab. Die beiden verbrachten ein wunderbares Wochenende, waren bis spät in die Nacht tanzen, machten gemeinsame Spaziergänge, kochten zusammen, schauten abends auf der Couch zusammengekuschelt einen Film – sie konnten endlich all das machen was normale Pärchen so machen. Phine war ganz beseelt, wäre da nicht dieser ungünstige Umstand mit dem Verheiratet sein. Obwohl Mathis seinen Ehering mittlerweile immer abnahm, wenn er bei Phine war, konnte sie dennoch nie ganz vergessen, dass er schließlich immer noch verheiratet war. Eventuell lag es auch daran, dass er täglich mit seiner Frau telefonierte. Immerhin wollte sie wissen wie es ihrem Mann so erging. Auf Geschäftsreise. Nichtsdestotrotz blieb Phine positiv. Wenigstens hatte sie ihn ein ganzes Wochenende lang nur für sich alleine! Am Sonntag brachte sie ihn wieder zum Flughafen. Erneute flossen Tränen und es folgten unzählige Liebesbekundungen und das Versprechen sich bald wieder zu sehen.

Tatsächlich war es nur drei Wochen später wieder soweit. Mathis rief an und verkündete freudig, seine Frau sei geschäftlich eine Woche lang in Dubai und Phine könne gerne übers Wochenende vorbeikommen. Das ließ sie sich natürlich nicht zweimal sagen.

„Ich möchte aber lieber in ein Hotel, ich will nicht bei dir und deiner Frau im zu Hause übernachten…“ Sehr höflich, immerhin. Das sah Mathis auch so.

Freitag stieg Phine in den Flieger um 2 Nächte mit Mathis im luxuriösen Wellnesshotel etwas abseits der Stadt zu verbringen. Es war wundervoll! Sauna, Pärchenmassage, Champagner auf dem Zimmer – das volle Programm! Sonntagmittag war es Zeit aus zu checken. Phines Flieger ging allerdings erst am Abend.

„Wir können noch kurz zu mir fahren,“ schlug Mathis vor.

Phine war am Grübeln. Wirklich? In die Wohnung von Mathis und seiner Frau? Aber was sollten sie sonst machen? 5 Stunden in einem Café hocken? Zögerlich willigte sie ein.

Und dann war es soweit. Phine stand in der Wohnung ihrer verheirateten Affäre.

Die Sache mit Mia, Karsten und dem Prager Junggesellenabschied hat ein Nachspiel

Die Sache mit Mia, Karsten und dem Prager Junggesellenabschied hat ein Nachspiel

Etwa einen Monat nach Karstens Spektakel beim Junggesellenabschied in Prag erfuhr Mia von ihrer besten Freundin, dass deren Freund sie betrogen hatte. Das arme Ding!

„Wie findest du das?“ fraget sie Karsten abends bei einer Tasse Tee auf der Couch: „Ist das nicht absolut furchtbar? Wie kann man nur so etwas machen? Was denken Männer sich?“

„Weiß nicht… Vielleicht war der Sex schlecht? Mir würden schon einige Gründe einfallen.“

„Ja aber dann trennt man sich doch vorher!“

„Trennen sie sich jetzt?“

„Sieht wohl so aus…. Sie war schon ziemlich verletzt! Es war wohl auch keine einmalige Sache, sondern eine waschechte Affäre! Ich meine einen einmaligen Seitensprung könnte man ja noch verzeihen. Wenn sowas mal betrunken passiert, ok. Aber er hat sie über Wochen hintergangen! Wochen!!“

Keine Reaktion.

„Du würdest sowas doch niemals machen oder?“

Keine Reaktion.

„Du hast sowas doch auch niemals gemacht oder?“

„Dich wochenlang hintergangen? Nein.“

„Aber mich betrogen?“

Keine Reaktion.

„Oh mein Gott Karsten! Jetzt sag gefälligst was!“ Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: „ Prag! In Prag! Ist da doch mehr gelaufen?? SAG ES JETZT!“

Zusammenhangsloses Rumgestotter.

„ICH FRAGTE OB DU MICH IN PRAG BETROGEN HAST??? ICH WILL JETZT GEFÄLLIGST EINE ANTWORT!!“

„JA! Ok ja, es ist passiert!“

„OH MEIN GOTT!!! Ich wusste es!! Mit dieser Krystina oder?? ODER?! Von wegen McDonald’s wie konnte ich nur so dumm sein! Ich glaub es echt nicht! Erzähl mir sofort was passiert ist! ALLES!“

„Naja wir waren wirklich bei McDonald’s und dann…“

„ES INTERESSIERT MICH NICHT OB IHR BEI MCDONALD’S WART!! Der Sex verdammt nochmal! Wie ist das passiert? Wann ist das passiert? Wo ist das passiert? Und vor allem: WARUM ZUR HÖLLE IST DAS PASSIERT?? Was geht in deinem verdammten Kopf vor?? Wie konntest du mir das antun?? WIE??!!“

Also erzählte Karsten die ganze Geschichte noch einmal. Die wahre Geschichte. Es stimmte tatsächlich, dass er im Vollrausch alle verloren hatte und betrunken und orientierungslos durch Prag taumelte auf der Suche nach de Hotel. Es stimmte auch, dass er irgendwann in einer Bar landete in der Krystina Barkeeperin war. Außerdem stimmte es, dass sie ihm nach ihrer Schicht hilf, dass Hotel zu finden und sie schließlich, nach erfolgloser Suche bei McDonald’s landeten um Kaffee zu trinken und Burger zu essen. Es stimmte allerdings nicht, dass Karsten schließend seine Freunde erreichte und zum Bahnhof fuhr.

„Sie hatte dann angeboten, ich solle doch einfach bei ihr übernachten. Sie wohnte in Laufweite. Ich war immer noch total betrunken und hatte auch gar keine Hintergedanken. Ich wollte einfach schlafen und etwas ausnüchtern. Es lief auch vorher die ganze Zeit nichts, also habe ich mir nichts dabei gedacht als sie es anbot. Wir sind dann zu ihr gefahren und ich habe mich ins Bett gelegt und wollte schlafen. Sie hat sich dann einfach ausgezogen und neben mich gelegt und naja…. Hat angefangen mich zu küssen und an meiner Hose herumgefummelt. Ich wollte das erst gar nicht aber dann… wie gesagt ich war wirklich betrunken…“

„Was und dann? Dann hat sie dich vergewaltigt??“

„Naja nein es kam dann eins zum anderen. Aber es war nur ganz kurz und auch nicht wirklich! Mia es tut mir unendlich leid das musst du mir glauben! Ich war wirklich total betrunken! Am nächsten Tag habe ich es sofort bereut! Wirklich Mia bitte!!“

„ich glaube dir kein Wort.“

„Was?“

„Ich glaube nicht, dass es von ihr ausging. Ich glaube auch nicht, dass du es bereust! Ich schreibe ihr jetzt damit sie mir die wahre Geschichte erzählt! Du warst ja zum Glück dumm genug sie noch bei facebook zu adden! Willst du noch irgendetwas an der Version deiner Geschichte ändern bevor ich sie frage?“

„Nein…“

Also schrieb Mia Krystina eine lange Nachricht. Das sie ihr keinen Vorwurf mache, da sie ja nicht wusste, dass Karsten eine Freundin hatte. Das sie Karsten nicht glaube, dass sie alles wissen wolle um damit abschließen zu können da sich so oder so die schlimmsten Dinge ausmalte und das sie selbst nicht wisse, wie es nun weitergehen sollte. Sie war nicht sicher ob sie ernsthaft auf eine Antwort hoffen sollte. Sicherlich war es dieser Krystina auch mehr als unangenehm und wer wusste schon wie sie drauf war. Tatsächlich aber kam einen Tag später eine Antwort. Eine lange. Eine sehr nette.

Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass Krystina keineswegs den ersten Schritt gemacht hatte. Das Ganze lief nämlich folgendermaßen ab: Karsten kam völlig betrunken in die Bar und begann heftig mit Krystina zu flirten. Anfangs gab sie ihm Bier, bis sie feststellte wie betrunken er tatsächlich war und ihm Wasser gab. Als ihre Schicht beendet war, hatte er draußen vor der Tür auf sie gewartet, was sie überrascht hatte. Aus Mitleid, weil er alle seine Freunde verloren hatte half sie ihm dabei sein Hotel zu finden. Karsten unternahm währenddessen unentwegt Versuche sie zu küssen, worauf sie zunächst nicht einging. Er machte ihr allerdings so viele Komplimente, dass sie das hübscheste Mädchen der Welt sei, dass er noch nie so eine tolle Frau getroffen hätte, dass er sich in sie verlieben würde und dass sie ihn doch besuchen könne, dass sie schließlich einknickte. Nachdem sie bei McDonald’s waren, fragte Karsten ob er nicht mit zu ihr könne. Sie willigte schließlich ein. Nachdem er sich nackt vor ihr ausgezogen hatte und begann sie zu küssen geschah, was geschehen musste. Es war auch nicht kurz. Am nächsten morgen zeigte Karsten nicht einen Anflug von Reue. Er küsste Krystina und wiederholte, dass er sie wiedersehen wolle. Dann rief er seine Freunde an, stieg in ein Taxi und war weg.

Mia war außer sich. Ein Betrüger und ein Lügner noch dazu! Auch Krystina war traurig, immerhin hatte sie Karsten für einen netten jungen Mann gehalten. Jetzt verspürte sie Ekel und Scham und vor allem Mitleid mit der armen Mia.

„Er hat mich seitdem nicht kontaktiert. Es tut mir so leid! Ich weiß nicht wie ich mich an deiner Stelle fühlen würde! Du scheinst ein wundervoller und lieber Mensch zu sein! Ich denke du hast etwas Besseres verdient als ihn! Wenn du mal in Prag bist, gib Bescheid, dann treffen wir uns auf einen Kaffee 😊“

Immerhin ein nettes Mädchen, dachte Mia. Der Trost war allerdings dennoch überaus schwach.

Vielleicht sollte ich mir ein Beispiel an Nele nehmen, dachte sie. Single sein und vielleicht auch mal schauen was das andere Ufer so zu bieten hat.

Die Sache mit Nele und der Entdeckung am anderen Ufer

Die Sache mit Nele und der Entdeckung am anderen Ufer

Meine Freundin Nele ist Single. Nicht aber etwa einer diesen verzweifelten Singles die ihr eigenes Leben hassen und sich jeden Tag wünschen der Traumprinz würde endlich auf dem weißen Ross angeritten kommen um sie im Sturm zu erobern. Nein. Nele liebt das Single-Dasein.

„Keine Verpflichtungen, keine Kompromisse, nur ich! Ich kann mir die Filme ansehen die ich auch wirklich sehen will, kann den Abwasch zwei Tage stehen lassen, kann feiern wann ich will, flirten mit wem ich will und abends im Bett noch eine rauchen, ohne dass sich jemand beschwert!“

Klingt soweit auch eigentlich gar nicht schlecht.

An einem Freitagabend machte sich Nele mit ihrem besten Freund Anton auf den Weg zu einer Hausparty bei dessen Arbeitskollegen. Nele kannte also, bis auf ihren besten Freund, keine Menschenseele auf der Party. Umso besser, dachte Nele. Neue Leute kennenzulernen steht auf der Liste ihrer Lieblingsaktivitäten eh ganz oben. Der Alkohol floss in rauen Mengen. Es wurde getrunken, gegessen, geraucht, getanzt und gequatscht, alles was man eben bei Hauspartys so macht.

Gleich zu Anfang der Party fiel Nele ein gutaussehender, junger Mann auf. Groß, dunkelhaarig, braune Mandelaugen, gut gebaut, genau ihr Typ – die beiden flirteten heftig aber ein Gespräch kam, aus welchen Gründen auch immer, nicht zu Stande. Stattdessen kam im Laufe des Abends ein hübsches blondgelocktes Mädchen auf Nele zu.

„Hi! Ich finde dein Top total süß!”

„Danke! Ich finde deins total süß!“

„Ich bin Sarah, freut mich!“

„Nele.“

Das Gespräch zwischen den beiden entwickelte sich prima. Beide hatten einen Hund, beide studierten an der gleichen Uni ähnliche Fächer und beiden standen auf Aperol Spritz. Nach etwa dem 3. Glas fragte Sarah ob sie auf der Toilette nicht mal die Tops tauschen wollten die sie ja gegenseitig so süß aneinander fanden. Gesagt getan. Da standen die beiden also dicht an dicht in dem kleinen Gästeklo oben ohne voreinander.

„Hast du schonmal eine Frau geküsst?“ fragte Sarah.

„Als Teenager habe ich mal mit meiner besten Freundin geknutscht also so ums mal auszuprobieren falls wir mal einen Freund haben, aber so richtig ernsthaft nicht…“ (Ja, das war ich, es war ok.)

„Und würdest du es gerne nochmal ausprobieren?“

Ja wieso eigentlich nicht? Dachte Nele. Ist ja nichts dabei… Hübsche Brüste hat sie auch…Also kutschten die beiden wild auf der Gästetoilette rum. Eigentlich wirklich gar nicht schlecht, fand Nele. Nach etwa 10 Minuten und als schon die ersten Klopfer an der Tür zu hören waren, verschwanden sie wieder aus dem Badezimmer. Vor der Tür stand der hübsche dunkelhaarige Mann und grinste die beiden an.

„Das ist mein Freund, Björn,“ fügte Sarah lächelnd hinzu.

Ehe Nele allerdings ihre Verwirrung zum Ausdruck bringen konnte, schüttelte Björn ihr kräftig die Hand:

„Freut mich dich kennenzulernen! Björn.“

„Danke, ebenfalls… Nele.“

„Wir haben eine Wohnung oben drüber,“ fing Sarah an „falls du Lust hast, könnten wir raufgehen. Wir könnten noch etwas Sekt trinken und mal schauen was der Abend noch so bringt…?“

Raufgehen. Mit einem fremden Pärchen. Mit Sekt. Mal schauen was der Abend bringt.

„Klar, wieso nicht!“

Die drei gingen also nach oben in die Wohnung. Sarah und Björn hatten ein ziemlich großes Bett in das die Party auch gleich verlegt wurde. Beschwipst von Sekt und Aperol und angeturnt von Smooth Jazz begann das Rumgeknutsche und Ausgeziehe. Nele wurde natürlich ziemlich schnell klar, worauf das hinauslaufen sollte.

„Du das ist mir etwas unangenehm,“ flüsterte sie irgendwann sichtlich peinlich berührt in Sarahs Ohr: „aber könnte ich mir deinen Rasierer leihen?“

Sarah musste lachen: „Klar, liegt im Badezimmer:“

Ausnahmsweise hatte sich Nele also vorgenommen mal solo na h Hause zu gehen und hatte entsprechend keine Vorbereitungen betroffen und dann das. Da hing sie also nun. In der Badewanne in einer fremden Wohnung sich die Beine mit einem fremden Rasierer enthaarend, kurz davor mit einem fremden Pärchen Sex zu haben. Witzig wie das Leben so spielt, dachte sie bei sich. Mit glatten Beinen und glatter Bikinizone kehrte sie schließlich ins Schlafzimmer zurück. Sarah und Björn waren bereits einen Schritt weiter. Während Nele sich noch etwas verunsichert mit der Sektflasche Mut antrank und erstmal als stille Zuseherin fungieren wollte kam Björn auch schon an um ihr Top und BH auszuziehen. Wie ist das bei einem Pärchen? fraget sich Nele darf ich ihn küssen? Darf ich sie küssen? Stehe ich überhaupt auf Frauen? Will ich ihre Brüste anfassen? Das Ganze ergab sich dann von ganz alleine, erzählte sie mir später. Tatsächlich küsste jeder jeden und Nele musste feststellen, dass ihr Brüste soweit ganz gut gefielen. Nach etwa 2,5 Stunden war das Spektakel vorbei und die 3 lagen ziemlich ausgepowert auf dem Bett.

„Macht ihr sowas öfter? Also mit einer anderen Frau schlafen?“

„Ab und zu,“ Sarah grinste „Naja, wenn wir mal eine finden die uns beiden gefällt und du hast uns beiden gefallen!“

Nele rief sich morgens halb 6 ein Taxi und fuhr nach Hause. 7 Anrufe in Abwesenheit von Anton und mehrere Textnachrichten: „Wo bist du denn? Bist du schon los? Also keine Ahnung Nele ich fahre jetzt nach Hause!“

Sollte sie ihm das mit dem Dreier erzählen? Lieber nicht dachte sie, dass würde ihr Geheimnis bleiben.

Am nächsten Tag rief sie mich an und erzählte alles.

„Weißt du vielleicht bin ich bi, wer weiß? Es war auf jeden Fall richtig gut! Und glaube das mach ich nochmal!“

Das mit Sarah und Björn blieb allerdings eine einmalige Sache und Nele hatte die beiden auch nicht wiedergesehen. Bis sie letzten Sommer Sarah auf der anderen Straßenseite in der Schlange vor der Eisdiele entdeckte. Man lächelte sich nett zu. Das war’s dann aber auch.

 

Die Sache mit Phine und Mathis geht weiter

Die Sache mit Phine und Mathis geht weiter

Am Montag 9 Uhr betrat Phine das Büro. Mathis saß schon an seinem Platz und sah sie an. Sie entschied sich, ihn zu ignorieren und lief schnurstracks an ihm vorbei zu ihrem Schreibtisch. Blödes Großraumbüro dachte sich Phine. Also PC an, E-Mail-Postfach auf, E-Mail von Mathis. Natürlich.

„Alles ok bei dir? Wie war dein Wochenende?“

„Ja klar, alles bestens. Es war schön, danke. Entschuldige bitte nochmal die Sache am Freitag.“

Welche Sache überhaupt? Die Mail war abgeschickt und Phine hatte eigentlich keine Ahnung wofür genau sie ich entschuldigt hatte. Musste sie sich überhaupt entschuldigen? Vielleicht musste er sich entschuldigen! Er hatte sie immerhin geküsst! Aber was war danach passiert?

„Welche Sache denn? Du musst dich für nichts entschuldigen.“

Gut, immerhin war das geklärt. Die Frage nach der Sache konnte Phine ihm natürlich auch nicht beantworten.

„Ich weiß nicht… Der ganze Abend war etwas seltsam… Ich wollte dir einfach nicht zu nahe treten…“

„Du hast keine Ahnung mehr oder?“

Gut. Offenbar war er weniger betrunken gewesen als sie. Das Ganze wurde eigentlich immer peinlicher und unangenehmer.

„Es ist nichts passiert Phine. Du hattest ein bisschen viel getrunken also habe ich dich ins Bett gebracht. Du bist auch gleich in voller Montur eingeschlafen und ich habe auf der Couch übernachtet. Ich wollte noch sichergehen, dass es dir gut geht und bin eingeschlafen und am nächsten Morgen habe ich mir ein Taxi genommen. Ich wollte dich nicht wecken. Du hast so süß geschlafen.“

Ok. Das erklärte zumindest einiges. Und irgendwie beruhigte es Phine das etwaige körperliche Aktivitäten zumindest ausgefallen waren. Da hatte der Alkohol immerhin, was das angeht, sein gutes. Aber trotzdem. Wie sollte das weitergehen? Phine war auch klar, dass ich recht gehabt hatte. Ob es nun gut lief in seiner Ehe oder nicht er war dennoch verheiratet und ein Kollege. Beides eher schlechte Voraussetzungen für eine Romanze. Sie beschloss also, dass ganze einfach auf sich beruhen zu lassen.

So einfach ging das natürlich nicht. Mathis schien die ganze Sache, im Gegensatz zu Phine, nämlich eben nicht auf sich beruhen lassen zu wollen. Munter schreib er weiter und flirtete was das Zeug hielt. Und Phine? Naja muss er ja wissen, dachte sie sich und ging natürlich auf seine Avancen ein.

„Was ist eigentlich mit dem Getränk das du mir noch ausgeben wolltest?“ schrieb er ein paar Tage später. „Ich warte immer noch darauf!“

„Vielleicht am Freitag, wenn die Kollegen etwas trinken gehen?“

„Oder was hältst du von Mittagessen? Um die Ecke ist ein nettes Bistro…?“

Da konnte Phine natürlich nicht nein sagen. Am Donnerstag gingen sie und Mathis also in dem netten Bistro Mittag essen.

„Weißt du wir sind einfach total auf einer Wellenlänge trotz des Altersunterschieds!“ Schwärmte sie mir abends am Telefon vor: „Wir haben uns beim Essen super unterhalten! Er ist eben auch einfach so erwachsen weißt du? Und in seiner Freizeit schreibt er Gedichte!“ (Klar, was sonst.)

„Ja und seine Frau, Phine?“

„Ach die Ehe ist echt tot sagt er! Sie reden kaum mehr miteinander und es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis sie auszieht und sie sich scheiden lassen. Wir schreiben jetzt auch den ganzen Abend schon! Viel scheint da ja echt nicht mehr zu laufen. Er trägt auch den Ring nur noch, weil er es noch nicht allen Verwandten und Freunden gesagt hat.“

„Aha.“

„Naja und das tollste ist: nach dem Essen sind wir auf dem Rückweg ins Büro durch den Park spaziert und dann hat er mich geküsst!“

„Oh!“

„KANNST DU MAL MEHR SAGEN ALS ‚AHA‘ UND ‚OH‘?? Du scheinst dich so gar nicht für mich zu freuen!“

„Naja ich weiß nicht… Er ist immer noch verheiratet… Keine Ahnung ob ich das so gut finde… Sei einfach vorsichtig! Was ist überhaupt mit euren Kollegen? Finden die das nicht seltsam zumal er noch den Ehering trägt?“

„Jaja ich bin ja vorsichtig! Aber die Ehe ist doch letztlich auch nur ein Vertrag! Nein, wir halten das natürlich geheim! Das macht das ganze ja so spannend!!“

„Aha. Na wie du meinst.“

Ich hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Ganz ehrlich.

Am Freitag gab es also wieder Drinks mit den Kollegen. Alles wie immer: Phine war da, Mathis war da, es wurde geplaudert, geflirtet und gelacht. Anschließend wollte Phine mit einer Kollegin noch tanzen gehen. In der Métro konnte die beduselte Phine nicht mehr an sich halten:

„Ich habe eine Affäre mit Mathis!“ platzte es aus ihr heraus.

Aurelie musste lachen: „Ich hab mir irgendwie schon sowas gedacht… Ruf ihn an, er soll nachkommen!“

Natürlich rief Phine an. Natürlich kam Mathis nach. Jetzt wo Aurelie eingeweiht war, konnten die beiden auch endlich hemmungslos in der Öffentlichkeit rumknutschen. Irgendwann ging Aurelie nach Hause und Phine und Mathis blieben im Club zurück.

„Lass uns ein Zimmer im Hotel nebenan buchen! Ich will die Nacht mit dir verbringen!“ säuselte der betrunkene Mathis.

„Wir können doch einfach zu mir fahren.“

„Das dauert mir zu lange, ich will nicht mehr warten!“

Die beiden buchten also tatsächlich ein Zimmer im benachbarten Hotel und verbrachten die Nacht zusammen. Die Einzelheiten spare ich mir an dieser Stelle, obwohl mir Phine tatsächlich haarklein erzählte wie was abgelaufen ist. Ihr Schlusssatz war jedenfalls:

„Ungelogen! Der beste Sex meines Lebens!“

 

 

Die Sache mit Mia, Karsten und dem Prager Junggesellenabschied

Die Sache mit Mia, Karsten und dem Prager Junggesellenabschied

Meine Freundin Mia hat, wie ich finde, einen furchtbaren Freund. Karsten. Seit knapp drei Jahren sind die beiden nun schon zusammen und jeder fragt sich: Warum eigentlich? Mia ist jung und hübsch, arbeitet in gehobener Position in einer Agentur, hat immer ein offenes Ohr für alle und scheint stets fröhlich zu sein. Sie ist die Art Frau in die sich jeder Mann leicht verguckt. Karsten dagegen ist leicht übergewichtig, hängt in einem weniger gut bezahlten Job fest, ist narzisstisch, cholerisch und eifersüchtig. Eigentlich kracht es wöchentlich zwischen den beiden, bis Karsten wieder Schluss macht um ein, zwei Tage später wieder reumütig angekrochen zum kommen damit Mia ihm verzeiht, was sie tut und das Spiel wieder von vorne losgeht.

Im Sommer letzten Jahres wollte Karsten übers Wochenende mit seinen Kumpels nach Prag fahren – ein Junggesellenabschied stand bevor. „Klar,“ meinte Mia, „fahr ruhig. Viel Spaß Schatz.“ Samstagmorgen sollte es losgehen. Freitagabend hatten sich Mia und Karsten bei ihr zum kochen und Film schauen verabredet. Es kam, wie es üblicherweise kommen musste – zwischen den beiden gab es Streit. Als Mia mir die Geschichte erzählte, wusste sie selbst nicht mehr genau was der Auslöser für den Streit war. Ob es der Film war, den Karsten nicht gucken wollte, das Essen, das Mia versalzen hatte oder die Klobrille, die Karsten oben gelassen hatte. Sie wusste es nicht mehr. Der Grund war auch eigentlich nichtig, denn egal worüber die beiden streiten, es eskaliert in 90 Prozent der Fälle. So also auch diesmal. Es endete damit das Karsten, kochend vor Wut, in der Haustür stand und brüllte „Du verdammte Mistkuh (ich habe die Beschimpfungen angepasst und verharmlost, da ich nicht weiß wie alt die Leserschaft hier ist) ich habe endgültig die Nase gestrichen voll von dir! Jetzt ist es echt aus! Aber endgültig!“ Und dann knallte er die Tür hinter sich zu und ließ Mia allein zurück.

Mia legte sich ins Bett. Abends wollte sie Karsten schreiben, dass sie es doch alles nicht so gemeint hätte und ob sie sich bitte wieder vertragen könnten. Nichts. Auf WhatsApp blockiert, Facebook Messenger nicht gelesen, SMS auch nicht und Telefonnummer anscheinend auch blockiert. Na bitte!, dachte Mia, soll er doch bleiben wo der Pfeffer wächst!

Am nächsten Tag waren Mia und ich zum Kaffee trinken verabredet. Sie erzählte mir also was vorgefallen war. Typisch, dachte ich, jedes Mal dieselbe Leier.

„Kannst du sehen wann er zuletzt bei WhatsApp online war? Er hat mich ja blockiert.“

„5 nach 7.“

„Und dann nicht mehr? Halb 8 ging der Zug, er müsste jetzt also schon in Prag im Hotel sein… Sicher 5 nach 7?“

„Ja.“

„Na gut… komisch. Bei Facebook war er seit gestern auch nicht mehr online. Meine Nachricht hat er ja auch nicht gelesen… Kannst du mir sagen wann er wieder online ist?“

„Von mir aus.“ (Ich weiß, ich komme bei dem Gespräch als der vermutlich unempathischste Mensch der Welt rüber aber ganz ehrlich: Ich hatte das Speil schon oft genug mitgespielt).

Abends schrieb mir Mia dann im halbstündigen Abstand wann Karsten denn nun das letzte Mal online gewesen sei. Meine Antwort bleib immer dieselbe: „5 nach 7 Mia. Geh schlafen.“

Am nächsten Morgen, als Karsten gegen 10 immer noch nicht online war, wurde Mia panisch. Sie schrieb einem Freund von Karsten, der mit in Prag war – keine Antwort. Sie durchforstete sinnlos Facebook und Instagram ohne auf Hinweise zu stoßen bis es schließlich 11.30 Uhr war und Karsten, tadaaaa, bei Facebook online war. Ganz kurz. Er hatte ihre Nachricht gelesen und ignoriert. Und noch was: er hatte eine neue Freundin hinzugefügt: Krystina Procházková. Bei Mia schrillten natürlich sofort sämtliche Alarmglocken. „Er hat mich betrogen!“ kreischte sie ins Telefon. „Das weißt du doch gar nicht,“ versuchte ich sie sinnloserweise zu beruhigen. „Vielleicht war sie einfach mit einer Gruppe Mädchen unterwegs und die Jungs haben sie im Club kennengelernt oder so.“ „Nein! Er hat mich betrogen ich weiß es! Sonst ist niemand von den anderen mit ihr befreundet! Und er war doch auch die ganze Zeit nicht bei WhatsApp online! Er hat bestimmt sein Handy im Hotel gelassen und ist dann mit zu ihr gefahren!“ Es war völlig sinnlos. Mia würde sich nicht beruhigen. Sie schrieb ihm eine ewig lange Nachricht bei Facebook ob er sie betrogen hätte und wie leid ihr alles täte und dass sie ihn doch so sehr lieben würde. Zurück kam, natürlich, nichts.

Am frühen Abend klingelte es bei Mia an der Tür. Karsten. Er stank wie eine Destillerie und sah aus wie ein geprügelter Hund.

„Oh mein Gott Schatz! Was ist passiert? Wo warst du? Warum hast du dich nicht gemeldet? Wer ist Krystina?“ sprudelte es aus der seelisch malträtierten Mia heraus die den Tränen nahe war. Karsten nahm sie in den Arm, verdrückte selbst ein paar Tränchen, ging duschen und erzählte Mia was passiert sei:

Offenbar war Karsten wegen des Streits zwischen den beiden so niedergeschlagen gewesen, dass er sogleich morgens halb 8 im Zug mit dem Trinken anfing. In Prag angekommen, war er natürlich schon reichlich betrunken. Er ließ sein Handy im Hotel und machte sich mit der Jungsgruppe auf zum Feiern. Nach etwa einer Stunde hatte Karsten alle verloren. Er war alleine und ohne Handy in Prag unterwegs. Das einzige was er noch hatte war eine Schlüsselkarte vom Hotel. In weiß. Er hatte keine Ahnung mehr wo das Hotel war, geschweige denn wie es hieß und die Karte nütze ihm rein gar nichts. Also irrte Karsten ziellos durch die Gegend und tingelte von einem Club in den nächsten in der Hoffnung, den anderen zufällig über den Weg zu laufen. Natürlich alles ohne Erfolg. Zwischendurch geriet er in eine Schlägerei und rutschte im Vollsuff auf dem Bürgersteig aus – von daher die vielen kleinen Verletzungen. Irgendwann gegen 5 Uhr morgens, endete Karsten in einer Bar. Die Barkeeperin hieß? Krystina. Krystina empfand offenbar Mitleid mit dem geschundenen Karsten und versuchte ihn mit Wasser wieder aufzupäppeln. Nach Feierabend lief sie fast eineinhalb Stunden mit ihm durch die Stadt um das Hotel zu finden. Als die Suche erfolglos blieb, schleppte sie ich zu McDonald’s und versuchte seiner Erinnerung mit Kaffee und fettigem Fastfood auf sie Sprünge zu helfen. Doch auch das funktionierte nicht. Karsten hatte zudem vergessen, dass er sein Handy einfach im Hotel hatte liegen lassen und war der festen Überzeugung, er hätte es während seiner Odyssee verloren. Daher kam ihm auch nicht die Idee es anzurufen. Irgendwann kam ihm allerdings die Idee, seine Freunde anzurufen. Die waren gerade kurz davor zur Polizei zu gehen und eine Vermisstenanzeige zu erstatten. Sie nahmen also seine Sachen aus dem Hotel, Karsten setze sich in ein Taxi und alle trafen sich am Bahnhof wieder. Karsten war nach dieser durchzechten Nacht sowohl physisch als auch psychisch so fertig, dass er sofort zu Mia fuhr um in ihre verzeihenden Arme zu fallen.

Mia war also froh, dass sie ihren Karsten halbwegs wohlbehalten wiederhatte und bei den beiden herrschte wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Vorerst.

 

Die Sache mit Phine und Mathis

Die Sache mit Phine und Mathis

Meine Freundin Phine machte, als sie 24 war, im Zuge ihres Masterstudiums ein Praktikum für sechs Monate in einem mittelständischen französischen Unternehmen in Paris. Sie war jung, sie war Single, der Job machte Spaß, die Kollegen waren nett – es lief also alles bestens für Phine.

Etwa drei Monate nach Arbeitsbeginn wurde ein neuer Kollege eingestellt. Mathis. Groß, gut gebaut, gute 15 Jahre älter als Phine. Er sollte das Marketing Team leiten, sie war Praktikantin im Sales Team. Viel hatten sie nicht miteinander zu tun. Mathis wurde den Mitarbeitern vorgestellt und Phine war gleich hin und weg. Einziges Manko – der Mann trug einen Ehering! Also war das Thema für Phine auch gleich wieder abgehakt. So dachte sie zumindest.

An einem Freitagabend gab es Drinks auf Firmenkosten in einem kleinen Lokal. Die Stimmung war ausgelassen, der Wein floss literweise. Phine stand, beduselt von Cidre und Guignolet, an der Bar direkt gegenüber von Mathis und sollte mir später erzählen, dass sich ihre Blicke nahezu unentwegt streiften. Irgendwann schlenderte Phine mit ihrem vollen Glas an Mathis vorbei Richtung Toilette, stolperte filmreif und verkippte den klebrigen Cidre über dessen Hose. „Peinlich sag ich dir! Sowas von peinlich!“ heulte sie mir am Samstag am Telefon die Ohren voll: „auch dieses Rumgeflirte, der Mann ist verheiratet! Keine Ahnung was ich mir dabei dachte! Ich bin dann sofort nach Hause!“.

Aber damit endete die Geschichte natürlich nicht. Am folgenden Montag fand Phine eine Mail von Mathis in ihrem Postfach. „Na wieder nüchtern? Bekomme ich eine Entschädigung für die Hose? 😉“ Da war Phine erstmal baff. Wie reagiert man denn auf sowas?

„Ja, habe mich am Wochenende gut erholt 😉 Tut mir nochmal sehr leid wegen deiner Hose!“

„Halb so wild. Du kannst mich ja als Wiedergutmachung auf ein Bier einladen 😊“

„Klar 😊 Ich revanchiere mich bei der nächsten Firmenfeier!“

Gut gelöst, dachte Phine stolz. Nicht zu aufdringlich, nicht unhöflich. Alles kein Problem. Die Flirterei am Arbeitsplatz hörte allerdings nicht auf. Und Phines Vorsatz bei der nächsten Firmenfeier weniger zu trinken war auch schnell vergessen.

Die Firmenfeier kam drei Wochen später und Phine tat was Praktikantinnen eben auf Firmenfeiern tun – trinken, tanzen, flirten. Mit dem Kollegen. Dem verheirateten Kollegen. Weit nach Mitternacht entschied Phine, als außer ihr und Mathis nur noch fünf weitere Kollegen anwesend waren, es sei jetzt das Beste den Heimweg anzutreten. Betrunken torkelte sie aus der Firma und wankte gen Métro. Auf halber Strecke tauchte Mathis neben ihr auf.

„Hey, du gehst ohne dich zu verabschieden?“

„Oh entschuldige, ich wurde müde…“

„Wo fährst du hin?“

Porte de la Chapelle.

“Mit der Métro? Um diese Uhrzeit? Lass mich dir ein Taxi rufen!“

Na gut, dachte Phine, Recht hatte er. „Das Taxi braucht 20 Minuten,“ meinte Mathis als er das Handy zurück in die Hosentasche steckte. „Warte kurz.“ Mathis verschwand in den Superette auf der anderen Straßenseite und tauchte kurze Zeit später mit einer Flasche Champagner in der Hand wieder auf: „Damit können wir uns die Wartezeit vertreiben.“ Wieso wir? Fragte sich Phine aber anstatt weiter darüber nachzudenken, bedankte sie sich höflich und setzte die Flasche an. Die beiden plauderten fröhlich bis 20 Minuten später das Taxi kam. Mathis öffnete Phine die Tür und stieg, zu Phines Überraschung, gleich mit ein, die Flasche wohlweislich vorausschauend unter seiner Jacke versteckt.

Phine lebte im Norden der Stadt, in einem Einzimmerappartement das sie zur Zwischenmiete bewohnte. Bei ihrer Wohnung angekommen stieg Mathis wie selbstverständlich mit aus: „Ich dachte wir trinken den Champagner noch zusammen aus, wäre ja schade drum!“ Klar, wäre schade, der gute Champagner, dachte sich Phine deren Hirnzellen nach der feuchtfröhlichen Firmenfeier nur noch auf 30 Prozent liefen. Sie griff nach der Flasche, Mathis griff nach ihrer Jacke, er zog sie zu sich ran und zack waren seine Lippen auf ihre gepresst! An dieser Stelle muss man Phine zugutehalten, dass ihr Verstand wenigstens nicht komplett aussetzte. Erschrocken riss sie sich los: „Pardon? Du bist verheiratet!“ Das Ganze schien nun auch Mathis sichtlich peinlich zu sein: „Ja noch“ murmelte er. „Was heißt ‚ja noch‘?“ „Naja es läuft nicht mehr gut, schon lange nicht mehr. Wir werden uns scheiden lassen.“ Er verdrückte eine Träne. Hak ihn ab, dachte der nüchterne Teil von Phines Hirn. Der arme Mann braucht doch nur etwas Liebe und Zuwendung, dachte der betrunkene Teil von Phines Hirn. Der betrunkene Teil war stärker. „Das tut mir leid,“ murmelte sie. „Ist schon ok, lass uns nicht darüber reden,“ entgegnete er. Also leerten sie den Champagner vor Phines Haustür um anschließend gemeinsam in Ihre Wohnung zu gehen.

Nach literweise Champagner, Wein und Cidre erklärte mir Phine später sie hätte keine Ahnung mehr gehabt wie es dazu kam und wessen Idee das war. Am nächsten Morgen wachte Phine allerdings ohne Mathis im Bett auf. Was blieb waren ein dröhnender Schädel, komplette leere in Phines Kopf und ein Zettel mit den Worten „Danke, dass du mir gestern Unterschlupf gewährt hast! Ich hoffe ich habe dich heute Morgen nicht geweckt! Alles Liebe, M.“. Phine griff also zum Telefon um mir die ganze verkorkste und peinliche Geschichte zu erzählen.

„Hattet ihr Sex?“

„Keine Ahnung… Glaube nicht…“

„Phine er ist trotzdem verheiratet und dein Arbeitskollege! Sowas geht nicht!“

„Ich weiß doch, ich weiß! Vielleicht kündige ich, dass ist alles so peinlich und furchtbar! Wer weiß was ich noch alles gemacht hab! Wer weiß was ich alles erzählt habe! Wer weiß was alles passiert ist!“

Phine kündigte nicht. Sie stellte sich der Herausforderung und erschien am Montag wieder pünktlich neun Uhr im Büro.